Skaten für mehr Gleichberechtigung

3 Kommentare

Judith findet die Nachricht:

Heute, am Tag der Wahlen in Afghanistan, habe ich eine Nachricht gefunden, die super dazu passt und die ich wirklich positiv finde:

In Afghanistan gibt es dieses Projekt:

Einen Spielplatz für Kinder stellt man sich anders vor. Der trockengelegte Zementbrunnen im Zentrum Kabuls liegt direkt neben einer sechsspurigen Straße. Militärkonvois, Taxis und die Geländewagen der Hilfsorganisationen rauschen vorbei. Oliver Percovich lädt die Skateboards aus dem Auto. Kinder sind weit und breit nicht zu sehen. Doch schon nach drei Minuten klettern zwei Bettlermädchen über den Zaun. Ein kleiner Junge kommt aus einer Seitenstraße angelaufen. Bald rollern 15 Jungen und zehn Mädchen durch den Brunnen. Manche von ihnen arbeiten als Schuh- oder Scheibenputzer an der Kreuzung. Sie tragen Plastikschlappen und löchrige Trainingshosen. Andere kommen aus den umliegenden Wohnblocks im Stadtteil Macrorayan, in dem die Kabuler Mittelklasse wohnt. Sie sind an ihren gebügelten Markenjeans zu erkennen. Nirgendwo sonst in der Stadt spielen diese Kinder zusammen.

Der Mann, der sie dazu gebracht hat, ist Chemiker und kommt aus Melbourne. Zuletzt hat der Vierunddreißigjährige für den australischen Katastrophenschutz gearbeitet. Nun kommt er jeden Tag an den Kabuler Brunnen, seit Monaten schon, und verteilt Skateboards an afghanische Kinder. Meistens steht er einfach nur am Rand und stellt sicher, dass der Streit um die Bretter nicht eskaliert. „Normalerweise gibt es in Afghanistan eine klare Hackordnung“, sagt Percovich. Die Jungen schubsen die Mädchen weg, die reichen Kinder verdrängen die armen und die Paschtunen die Hazaras. „Wir versuchen, das zu ändern“, sagt der Australier, der deutsche Vorfahren hat. Gemeinsam mit ein paar Freunden hat er in Kabul einen Verein gegründet: „Skateistan“.

Percovich ist anders als die meisten Ausländer in Afghanistan. Er besitzt kein Satellitentelefon und auch keinen Geländewagen, sondern nur ein chinesisches Motorrad. Vor zwei Jahren kam er ins Land, weil seine Freundin hier eine Arbeitsstelle antrat. Zunächst arbeitete Percovich als Geschäftsführer in einer Snack-Bar im Hauptquartier der Nato-Truppen und kam sich vor wie ein Undercover-Agent. „Die Soldaten und ich lebten auf zwei verschiedenen Planeten“, sagt der Australier. Während sie sich hinter hohen Mauern und schusssicheren Westen verschanzten, lief er in seinem gestreiften Kapuzenpulli zu Fuß durch Kabul nach Hause. Wie immer, wenn er auf Reisen war, hatte er auch dieses Mal sein Skateboard dabei. Kaum packte er es aus, war er sofort von Kindern umringt. So entstand die Idee für das Projekt „Skateistan“.

(…) „Das Skateboard ist nur ein Lockmittel, um mit den Kindern zu arbeiten.“ Es gehe darum, Vertrauen und Respekt zu fördern, diese Werte seien in der verrohten Kriegsgesellschaft verlorengegangen. „Ohne sie sind alle anderen Reformbemühungen im Land zum Scheitern verurteilt“, sagt der Skater. Ethnische und soziale Spannungen seien die Ursache für den mangelnden Erfolg vieler Hilfsprojekte. Deshalb will Percovich bei den Kindern unter 18 ansetzen, die noch zu beeinflussen sind und die immerhin mehr als die Hälfte der afghanischen Bevölkerung stellen. Für die meisten von ihnen ist die Kindheit nur eine Idee aus dem Fernsehen. Die Armut zwingt sie zu arbeiten, häusliche Gewalt und Drogensucht sind weit verbreitet. Noch sind es nur ein paar Dutzend Kabuler Jungen und Mädchen, die überhaupt wissen, wozu ein rollendes Brett gut sein kann. Doch Skateistan plant den Bau einer eigenen Halle, den die deutsche Bundesregierung mit 50.000 Euro unterstützt. Bislang ist erst die Hälfte des Geldes zusammengekommen. Die Geberorganisationen waren nicht so leicht zu überzeugen wie die Kinder.

Viele Ausländer in Kabul halten Percovich für verrückt. Ein Selbstmordattentäter könne ihn und die Kinder angreifen. Andere halten die Arbeit mit bettelnden, potentiell gewalttätigen Jugendlichen für gefährlich. Und wieder andere prophezeiten anfangs, dass kein afghanischer Vater seiner Tochter das Skaten erlauben würde. „Dabei hat es noch nie jemand versucht“, sagt Percovich. Er hält das nur für ein weiteres Indiz, dass die Hilfsorganisationen vor lauter Sicherheitsbedenken längst den Kontakt zur afghanischen Bevölkerung verloren hätten. „Als ich drei Wochen hier war, fragten mich Leute, die seit Jahren in Kabul lebten, wie die Stadt denn so sei.“

Ein paar Meter weiter lehnt ein Herr mit Schnauzbart am Zaun und beobachtet, wie seine fünfjährige Tochter auf einem Skateboard balanciert. „Es gibt in Kabul keine Spielplätze für Kinder“, sagt der Zollbeamte Adjab Gul. Deshalb sei das Projekt so wichtig. Außerdem gebe es den Kindern Gelegenheit, mehr über die westliche Kultur zu erfahren. Dass seine Tochter, adrett im rosa Kleidchen, zusammen mit Bettlerkindern spielt, störe ihn nicht, sagt der Beamte. „Die Kinder müssen lernen, sich gegenseitig zu akzeptieren.“ Das sei der beste Weg, um den Hass, den der Krieg geschürt hat, zu verbannen. (…)

Ich finde dieses Projekt toll, denn hier können auch Mädchen rauskommen und Dinge machen, die sonst in Afghanistan nicht möglich sind. Es trägt zur Integration bei und zeigt einfach mal wieder, was es heißt, Menschen Chancen und Möglichkeiten zu bieten!

Den ganzen Artikel lesen: FAZ

Webseite „SKATEISTAN“

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3 Gedanken zu „Skaten für mehr Gleichberechtigung

  1. Pingback: Skaten für mehr Gleichberechtigung « Reporter positiver Nachrichten

  2. Davon hab ich schon gehört! Hätt ich auch schon fast hier reingeschrieben, wenn ich mein Passwort noch hätt’….

    Ich fand vor allem überraschend, wieviele Mädchen dabei mitmachen! Es ist erstaunlich, wie sich das Projekt entwickelt. Ich glaube das sowas enorme Kraft beinhaltet.

  3. Pingback: Skateboards statt Waffen: Oliver Percovich « "Ich würde es genauso wieder machen" (Sophie Scholl)

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