Wagner für alle…

Hinterlasse einen Kommentar

Stefanie findet die Nachricht:

Sein großer Traum waren „Festspiele für Jedermann“. Jeder sollte seine Opern erleben können. Mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod hat Richard Wagners Urenkelin Katharina diesen Traum nun Wirklichkeit werden lassen. Zum zweiten Mal wird in diesem Festspieljahr auf dem Grünen Hügel eine Wagner-Aufführung auf einer Großleinwand gezeigt. Public Viewing heißt das Springwort. Bei der Premiere im vergangenen Jahr versammelten sich 40 000 Menschen vor dem Festspielhaus. Bei „Tristan und Isolde“, werden es nicht weniger sein. Das Public Viewing ist übrigens kostenlos. Technisch verbessert soll die Live-Übertragung im Internet ins zweite Jahr starten. Sie kann für ganze 15 Euro gebucht werden. Ein Kinobesuch mit einer Tüte Pop-Corn ist nicht teurer. Die begehrten Karten für die Aufführungen im Festspielhaus, auf die Normalsterbliche zehn Jahre und länger warten müssen, kosten allerdings bis zu 225 Euro…

Die Exklusivität des Wagnerianertums sieht Katharina Wagner nicht gefährdet. Allerdings dürfe solch forsches Unternehmertum nicht zu beliebig werden. Daher seien Anfragen von Partnerstädten oder Kinos abgelehnt worden, die Aufführungen übertragen zu wollen. Und der Live-Stream im Internet sei ohnehin eher für Wagner-Fans im Ausland gedacht… Dass es beim Public-Viewing eine Strandbar geben wird, echten Sand und Cocktails – eine Konzession an die Event-Gesellschaft. Dass damit zusätzlich Geld in die Kasse gespült wird, ist ein erwünschter Nebeneffekt…
Denn die Zeichen stehen auf Krise. Und die Wagner-Festspiele schwimmen nicht in Geld. Die langwierigen Tarif-Verhandlungen mit ver.di zu den Arbeitsbedingungen des Bühnenpersonals haben das verdeutlicht. Die überfällige Sanierung der in die Jahre gekommenen Festspielrestaurants wurde mangels Geld gestrichen; der Bau einer neuen Probebühne konnte nicht mehr aufgeschoben werden. Dass die Wirtschaftskrise Bayreuth erreicht hätte, wird bestritten. Das dortige Amt für Wirtschaftsförderung teilt mit, dass die fünfwöchigen Festspiele 70 000 Gästeübernachtungen bringen werden – das ist ein Viertel des touristischen Jahresaufkommens. Zudem sind eine halbe Millionen Menschen zur Festspielzeit als Tagesgäste in Bayreuth unterwegs. Gastronomen und Hoteliers nehmen so allein 22 Millionen Euro ein…

Die staatlichen und städtischen Geldgeber lassen sich noch nicht lumpen, auch wenn sie die Krise bereits erreicht hat, die Einkünfte aus Steuern sinken. Solche musikalischen Spektakel, ob sie nun in Schleswig-Holstein, Luzern, in Avignon oder – vor unserer Haustür – in Bregenz stattfinden, sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Städte und die gesamte Region. In Salzburg, neben Bayreuth der zweite renommierte Festspielplatz, der heute mit Premieren eröffnet wird, haben die Kulturmacher nahezu 230 Millionen Umsatzeffekte erzielt.

Dank sicherer Sponsoringverträge und anderer Subventionszusagen müssen auch die Festspiele an der Salzach die Krise nicht fürchten. Sie sind derzeit eher in der Gefahr, künstlerisch in die roten Zahlen zu geraten. Dennoch liegen die Vorverkäufe – bei Kartenpreisen bis zu 370 Euro – etwa fünf Prozent hinter dem Vorjahr, wobei besonders der Rückgang bei Firmenkunden auffällt. Hier wird also gespart. Auch die stets in Salzburg vertretenen Stars und Sternchen müssen 2009 mit kleineren Empfängen auskommen. Sie werden’s überleben. Angela Merkel wird als treuer Festspielgast wahrscheinlich verzichten, heißt es aus Salzburg. Dass sie auch Bayreuth links liegen lässt, ist allerdings unvorstellbar…
Trotz Wirtschaftskrise und allen Unkenrufen kann von einer Besucherdämmerung oder Subventionskatastrophe bei den Musikfestivals noch keine Rede sein – Bregenz hat sogar Zusatzvorstellungen angesetzt. Ist das nicht mal eine positive Nachricht?

Preiswerte Kultur im Sinne des Komponisten: Sehr viel besser geht es doch nicht. Und auch die, die nicht vor Ort sein können, können dem Genuss im Internet frönen. Das verbindet die Zeit Wagners mit dem Hier & Jetzt. Klassik trifft Moderne und lässt die Krise Krise sein.

Quelle: Südkurier

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s