Neuköllner Heroes für Gleichberechtigung

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Fabian berichtet:

„Der 19-jährige Okcan Ilhan hat es jetzt schriftlich: Er ist ein Held, weil er für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern kämpft. „Hero“ steht auf dem Zertifikat, das er nach dem erfolgreichen Abschluss eines entsprechenden Trainings bei einem Festakt in der Schwedischen Botschaft verliehen bekommen hat. In seinem schwarzen Sweatshirt mit dem Aufdruck „Heroes“ steht er zusammen mit elf weiteren Jungen aus türkischen und arabischen Familien auf der Bühne, und seine Mutter und Großmutter sind sichtlich stolz auf ihn. „Da hab ich doch wohl etwas richtig gemacht in der Erziehung“, sagt die Mutter lächelnd.

Die neuen Helden werden von den etwa hundert Gästen bejubelt. Sechs der zwölf „Heroes“ haben ein Jahr Praxis hinter sich, die anderen sechs trainieren seit drei Monaten. „Ich bin bei den Heroes, um gegen Unterdrückung im Namen der Ehre zu kämpfen“, sagt einer. „Ich will etwas an der Gesellschaft ändern und an unserem Ruf, der in Neukölln sehr schlecht ist“, ergänzt ein anderer. „Es herrscht eine lockere Atmosphäre, und wir reden offen über Themen, die man zu Hause oder unter Freunden kaum bespricht“, meint ein Dritter. Zum Beispiel darüber, dass die „Ehre“ von Mädchen in Migrantenfamilien vielfach immer noch durch ihre Jungfräulichkeit bestimmt wird. Doch die Jugendlichen haben in ihrem Training gelernt, „Ehre“ ganz anders zu definieren: „Man kann Ehre individuell erreichen, zum Beispiel durch einen guten Schulabschluss oder indem man als Vorbild agiert“, sagt einer.

Vorbilder sein – darum geht es in diesem Neuköllner Pilotprojekt. Unter Anleitung des Theaterpädagogen Yilmaz Atmaca aus der Türkei und des Psychologen Ahmad Mansour aus Palästina treffen sich die 16 bis 21 Jahre alten Jungen ein- bis zweimal in der Woche, diskutieren über Gleichberechtigung und Demokratie, entwickeln Rollenspiele, grillen und essen zusammen. Danach beginnen sie, die gemeinsam entwickelten Rollenspiele in Schulen oder Jugendtreffs vorzuführen. Die bisherigen Reaktionen seien „überraschend positiv“, sagt Okcan Ilhan. „Wir regen zum Nachdenken an.“

(…)

Sozialarbeiterin Anna Rinder von Beckerath baute das Vorläuferprojekt der „Heroes“ in Schweden auf und brachte es nach Berlin. „In Schweden sind die Heroes schon eine richtige Bewegung“, berichtet Abiturient Okcan Ilhan, der mit seiner Gruppe in Skandinavien zu Besuch war. „Ich hoffe, wir werden das auch.“ Projektleiterin Dagmar Riedel-Breitenstein ist optimistisch, dass das gelingen kann: „Es gibt eine schweigende Mehrheit unter den jungen Migranten, die Gewalt ablehnt. Die können wir gewinnen. Aber sie brauchen Vorbilder.“ (…)

Held Onur Kaba will auf jeden Fall weitermachen: „Wir verstehen andere Migranten, das ist unser Vorteil“, sagt der junge Mann selbstbewusst. „Mitgefühl und Verständnis, das sind unsere stärksten Waffen. Und die wirken!“ “

Ich finde es schön, dass die Heroes das Problem an der Stelle anpacken, an der sie am meisten bewegen können: den Jungen und Jugendlichen. Es ist außerdem sehr beeindruckend, dass die sie den Mut besitzen, sich bei diesem heiklen Thema öffentlich zu engagieren. Und dann auch noch mit so deutlichem Erfolg. Respekt!

Linktipp: www.heroes-net.de

Quelle: aus dem Tagesspiegel vom 18.03.2009

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2 Gedanken zu „Neuköllner Heroes für Gleichberechtigung

  1. Ein wirklich tolles Projekt. Das hilft so so so so sehr – und genau da, wo es so nötig ist: Im Rollenverständnis Mann / Frau, Deutsch / Ausländisch, Alt/Jung…. super Nachricht!

  2. Pingback: Berliner Vater wollte Sohn töten lassen, weil er der Familie Schande machte » de.rationalitas.eu

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