Lernen, von denen, die nichts mehr haben…

2 Kommentare

Zum ersten Mal seit 15 Monaten „1000 gute Nachrichten“ herrscht Ruhe. Keine guten Nachrichten trudeln ein. Keine Reporter schreiben etwas. Draußen lockt das gute Wetter, drinnen erschüttern die vielen schlechten Meldungen. Wir hängen fest – im Tal der schlechten Nachrichten. Sind wir starr geworden, weil alles grau und schwarz ist?

Ich möchte  die Stille brechen und etwas erzählen… Ein Filmjob hat mich vergangene Woche nach Stuttgart-Heslach geführt. Dort gibt es eine Kirchengemeinde, die einen „Montagstreff“ organisiert. Einen Tag in der Woche sind alle Menschen eingeladen, Gemeinschaft zu finden und Gemeinschaft zu erleben. Da kommen Wohnsitzlose, Menschen mit Alkoholproblemen, Arbeitssuchende, Menschen, auf der Suche nach sich selbst. Was einst als „Obdachlosen-Treff“ angefangen hat, ist zu einem „Menschentreff“ geworden. Vom Frühstück bis zum Abendbrot kann man sich einen Tag lang gehen lassen, ankommen, sein wie man ist und loslassen – Ängste, Sorgen, Nöte – alles einfach vergessen und mit anderen Menschen teilen. Nachbarn kommen vorbei und bringen Kuchen, Ehrenamtliche helfen zu kochen, ein Seelsorger bietet sich zum Gespräch an. An diesen Montagen geht es nicht um Statussymbole wie Autos, Häuser, Urlaube oder Handys – an diesem Tag geht es um das, was den Menschen bleibt, wenn ihnen sonst alles abhanden gekommen ist: Es geht ums Herz!

Mein Kameramann-Kollege und ich hatten das große Glück, ein paar Stunden mit den Menschen vom „Montagstreff“ in Stuttgart zu verbringen. Es hat mich tief berührt, diese Menschen zu erleben. Selten in meinem Leben – nein, eigentlich noch nie, wurde ich so herzlich empfangen und aufgenommen. Für ein paar Stunden waren wir Teil dieser Gruppe. Für ein paar Stunden haben wir gelebt, obwohl keiner im Raum etwas (materiell) wertvolles besitzt.

Mir hat es wieder einmal gezeigt: Die Hoffnung und das Positive liegen nur in uns selbst. Das schlimmste, was einem im Leben passieren kann, ist alleine zu sein! Alles andere überlebt man. Ich hoffe, es gibt noch viel mehr solcher Montagstreffs in unserem Land… denn das ist das wahre Leben!

Ich wünsche euch allen ein schönes Mai-Wochenende. Haltet die Augen auf – jeden Tag passieren 1000 gute Dinge!

Advertisements

2 Gedanken zu „Lernen, von denen, die nichts mehr haben…

  1. Schönes Erlebnis!

    Meine gute Nachricht war ein grandioses erstes Mai-Wochenende – ohne Krawall, mit gutgelaunten Menschen, zwei ausgelassenen Partys und einem sonnigen Grillfest im Park.

    Mehrere hundert Menschen, jung und alt, multikulti, einfach oder gut betucht, die es sich auf der Wiese gutgehen lassen, eine Gruppe improvisierte auf Kontrabass, Banjo, Bongos und Cello. Tolle Flirts, Tanz, keine schlechten Nachrichten, keine Uhr am Handgelenk. Großartig.

  2. Heute 26.05. an Kerstin die Mail:

    Hallo Kerstin,
    vielleicht ist das was: 😉
    „*Neun von zehn Menschen sind optimistisch“, weil der Mensch trotz aller negativer Nachrichten (Schweinegrippe, Wirtschaftskrise, Klimawandel, …) von Natur aus ein Optimist sei. Zudem ist dieser Optimismus ein weltweites Phänomen. *rp-online*.de.
    Siehe waswirtun.de von heute, 26. Mai.

    Lieben Gruß
    Clemens

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s