Working Class Hero

3 Kommentare

Verena findet die Nachricht: 

 

 

Als Gießen-Repräsentantin der positiven Reporter habe ich heute Neuigkeiten aus dieser recht häßlichen und doch sympathischen Stadt in Mittelhessen zu berichten. Gestern wurde die Initiative “Arbeiterkind.de” von “365 Orte im Land der Ideen” als Ideen-Standort festgemacht.

Katja Urbatsch, die Gründerin, erklärt wie sie auf ihre Idee kam:

“Da mein Bruder und ich als Erste in unserer Familie studiert haben, kenne ich viele der Probleme, mit denen so genannte “Nicht-Akademikerkinder” an der Uni konfrontiert sind, aus eigener Erfahrung. Bei Referaten und Hausarbeiten konnten mich meine Eltern nicht unterstützen und von der Möglichkeit, mich um Stipendien zu bewerben, habe ich erst viel zu spät erfahren.”

Von 100 Akademikerkindern nehmen 83 ein Hochschulstudium auf. Von 100 Kindern nichtakademischer Herkunft studieren dagegen nur 23, obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Das berichtete die sympathische Doktorandin bei der Preisverleihung gestern. Ursprünglich lediglich als Informationswebsite für Schülerinnen und Schüler aus “nicht-akademischen” Haushalten gedacht, klingelte bei Katja Urbatsch bereits ein Tag nachdem sie mit Arbeiterkind.de online ging das Telefon Sturm. Das war im Mai letzten Jahres – seitdem haben sich bereits über 800 freiwillige Mentorinnen und Mentoren gemeldet, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen möchten, indem sie beispielsweise Schulveranstaltungen besuchen oder Schüler bei Motivationsschreiben für Stipendien unterstützen.

Als bemerkenswert an der gestrigen Veranstaltung empfand ich eine Art “Stolz”, der bei so mancher Rede mit zu schwingen schien, „auch ein Arbeiterkind” zu sein – so beispielsweise der Schuldirektor des gastgebenden Gymnasiums oder der Oberbürgermeister Gießens, dem es “wie Schuppen von den Augen fiel, dass wir solch ein Engagement unbedingt brauchen”.

Allein solche Aussagen können enorm Mut machen. Normalerweise gehen nur wenige Arbeiterkinder – vielleicht sogar trotz abosluter Wertschätzung der eigenen Familie – mit ihrer Herknunft hausieren. Die Tatsache, dass es mehr von uns gibt als man denkt ist nicht nur tröstlich, sondern auch motivierend, zu oft hat man als „Nicht-Akademikerkind“ Zweifel, überhaupt dazu zu gehören (siehe Spiegel.de). Ich selbst habe seit dem ersten ehrfurchtvollen Betreten eines Gymnasiums als die Erste meiner Familie, über Fachhochschule und Uni bis hin zum mich damals völlig überraschenden Angebot zu promovieren ständig mit Zweifeln zu kämpfen. Seien es die Zweifel in mir selbst oder die verunsichernden Fragen auf Familienfeiern, wann ich denn nun fertig sei mit studieren, von denen auch die Gründerin berichtete. Einen Mentor oder eine Mentorin zu haben, an welche ich mich mit all meinen “doofen Fragen” hätte wenden können hätte sicherlich gut getan in dieser Zeit.

Für mich ist das Engagement von Katja Urbatsch & Co. eine gute Nachricht, da es mich ganz persönlich enorm freut, dass nun scheinbar die Arbeiterkinder ausschwärmen um Schülerinnen und Schülern  Mut zu machen, eine akademische Karriere einzuschlagen. Warum auch nicht? Alles andere wäre übelste Potenzialverschwendung. 🙂

Eine gute Idee mehr im „Land der Ideen“.

Ich wünsche Katja Urbatsch und Arbeiterkind.de viel Erfolg für die Zukunft!

 

Klicktipps:

 

Spiegel-Online-Bericht

Arbeiterkind.de

Die Initiative „Land der Ideen“

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3 Gedanken zu „Working Class Hero

  1. Tue gutes! Und rede darüber.

    „Tue jeder in seinem Kreis
    das Beste, dann wird’s auch
    bald in der Welt besser aussehen.“
    Adolf Kolping

    Adolf Kolping hätte seine helle Freude gehabt über Arbeiterkind.de.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  2. Tolle Idee. Hoffentlich erreicht es die Medien, die so großen Einfluss haben auf Chancen und Perspektiven von jungen Menschen, diesonst so schön und schnell Klassen zugeordnet werden. Ich würde mal sagen, wir verlinken Arbeiterkind.de hier 🙂

  3. Die Angst und Unsicherheit, die man empfindet (ich hatte sie), wenn man als erste aus der Familie die heiligen Hallen einer Universität betritt, kann gar nicht ernst genug genomen werden. Ich hätte mich genauso wie die Gründerin der Info Seite über Informationen gefreut und vermutlich nicht vier Semester darauf verschwendet mich zu fragen, ob ich wirklich studieren sollte.
    Also Arbeiterkinder, wir sind nicht allein! Und jetzt wissen es noch mehr Menschen.
    lg olga

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