Warum Familienfeste sich lohnen…

4 Kommentare

Kerstin berichtet von dem positiven Erlebnis:

Am Wochenende hat mein großer Bruder geheiratet. Das alleine ist schon eine gute Nachricht. Zwei Liebende, die sich ewige Treue versprechen, wagen sich etwas, was viele nicht mehr schaffen. Ich möchte aber ja hier keine privaten Details über meinen Bruder und seine Liebste veröffentlichen, sondern mal kurz erzählen, warum traditionelle und schön vorbereitete Familien-Feste dem Menschen einfach gut tun… Los geht´s!

Ich wohne seit 7 Jahren nicht mehr in meiner Heimat. 600 Kilometer trennen mich von meinen Eltern, meinem Bruder und der ganzen Familie. Im Grunde genommen kenne ich meine Familie weniger als so manch einen Freund oder eine Freundin. Alltag können wir nicht teilen. Umso schöner, wenn es Anlässe gibt, die weite Reise nach Hause anzugehen um sie mal wieder alle zu sehen – die kleinen und großen Anhänger der Familie. So war das am Wochenende.

Am Anfang ist es erschreckend, wenn man seine Cousinen nach dem Alter fragt, weil man sie seit 5 Jahren nicht gesehen hat oder an der Tante vorbeiläuft, weil man keinen Anfangssatz für einen Small-Talk findet. Doch irgendwann zeigt sich das Band der Familie – an dem man einfach nicht vorbeikommt und welches einen liebevoll einhüllt. Mit Onkeln und Tanten, Cousins und Cousinen gibt es immer irgendwas zu erzählen. Und auch wenn man so unterschiedlich ist wie Tag und Nacht, das, was einen mit der Familie verbindet, geht über Oberflächlichkeiten weit hinaus. Es ist das, was man nicht beschreiben kann. Irgendetwas sehr starkes, das einen zusammenschweißt. Emotionen. Verständnis. Interesse. Neugier. Gene. Nach anfänglichem Herantasten drehte sich der Abend dann zu einem wahrlich schönen und intensiven Wiedersehen mit den Menschen, die man sich nicht aussuchen kann, die aber vielleicht grade und genau deswegen so doppelt herzig sind. La Familia 🙂

Auf der Zugfahrt zurück in die weite Ferne ist mir der positive Effekt jener Familienfeste bewusst geworden: Ist es nicht Sinn und Zweck eines Lebens, etwas vom Leben der Familie mitzubekommen? Ist es nicht erstrebenswert, auch außerhalb von Feierlichkeiten einfach Alltägliches mit der Familie zu teilen? Oder ist genau dies, der Charme von Familie, erst besonders durch die Distanz zu erleben, weil es eben immer etwas besonderes ist, eben nicht selbstverständlich? Eine Frage, die jeder für sich entscheiden muss… Mich würde eure Meinung interessieren!


Die Hochzeit meines Bruders war für mich ein ganz besonderer Tag. Für einen Tag war ich nicht Kerstin aus Berlin. Sondern ich war Nichte und Tochter, Schwester und Cousine, Freundin und Schwägerin. Rollen, die ich in der Ferne nicht lebe. Das war ein schönes Gefühl und was bleibt ist die Erkenntnis: Familie sitzt ganz schön tief in einem drin!

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4 Gedanken zu „Warum Familienfeste sich lohnen…

  1. Liebe Kerstin, sehr schön beschrieben und beneidenswert.
    la familia! Demnächst habe ich ein Cousinen- und Cousin-Treffen = das sind schon ca. 100 Leute + Anhang. Findet statt auf dem Hof meiner längst verstorbenen Großmutter, wo alles seinen Anfang nahm mit 17 Kindern.
    la familia? Ja, da geht schon ein ganz schöner Sog und großes Gefühl aus, wenn da alle „aus einem Schoß“ zusammenkommen. Verständlich auch, dass ich nicht den Überblick habe, doch zu ein Paar gibt es schönen Kontakt, besonders zu den Paten.
    la familia! Tief drinnen. Klar. Geschichte. Traditionen. Andere Welten, z.T. vergangen, noch andere Erlebnisse von z.B. Mangel, Krieg, …
    … und steckt manchmal zu tief drinnen. Freue mich, dass meine Kinder dann auch diese Wurzeln spüren können, aber Vorsicht – nicht alles aufsaugen, was eure Euch eigene Entwicklung (be-) (ver-) hindern könnte. So unglaublich starre und unbewegliche Sätze wie „das macht man nicht“, falsche Ehre, bloß nicht drüber reden, leiden und schweigen … da fällt mir noch mehr ein …
    Die nächste Generation soll Geschichte nicht vergessen, aber sich auch frei machen dürfen!!!
    Insofern achte ich meine Familie, aber das tief drin stecken war auch ganz schön Arbeit, also die Befreiung daraus, hat aber einiges bewegt und Neues ins Leben gebracht.
    Und damit wären wir wieder am Anfang.
    la familia – ein schönes Gefühl, dass es weiter geht …

  2. Wie schön, dass du so schöne Tage mit deiner Familie verbringen konntest!
    Klingt nach einem sehr harmonischen Fest.
    Ja… das Thema Familie ist eines, das einfach nah am Herzen sitzt. Sinn des Lebens? Find ich nicht. Aber: Im Idealfall eine ungemeine Bereicherung.

    Ich stehe kurz vor einem Bruch im Lebenslauf und muss mich nun umsehen, wo ich die nächsten paar Jahre verbringen möchte. Ich schwanke zwischen beruflicher und persönlicher Offenheit (Ausland! Berlin! Geld! Weltreise! Knutschen!) und ehrlichgesagt einer Portion Heimweh.

    Meine Entscheidung ist gefallen. Ich möchte näher zu meiner Familie. Für mich spielt da auch Geographie eine gewisse Rolle. Distanz? Ja, muss sein. Aber: Ich will nicht 4 Stunden Auto fahren, um mit meiner Mutter Kaffee zu trinken. Ich möchte Äpfel pflücken für meine Oma, möchte Nichten und Neffen (gibt’s bestimmt irgendwann) aufwachsen sehen und nicht nur alle zwei Jahre auf runden Geburtstagen mal meine Tante knuddeln. Aber ich möchte auch einfach in der Nähe sein, falls es wieder einen Notfall gibt. Wer weiß.

    Natürlich kann man für all dies auch ein brauchbares Freundesnetzwerk aufbauen – aber für mich hat Familie etwas so Existenzielles, dass ich nicht länger nur aus der Ferne und nur alle paar Wochen darauf zurückgreifen will. Sie werden sicher nerven – aber sie sind auch lustig und warm und herzlich.
    Erdung.
    Ich wollte weg – Heimat war Stress. Doch jetzt sind die Wogen glatter und auf denen will ich einfach mal ein wenig rumschippern. Es geniessen.
    Das soll meine Basis sein – selbst aus dem hintersten Winkel von Einöd (tatsächlich ein Ortsname in der Nähe meiner Heimatstadt) lässt’s sich in die Welt ausströmen.

    Vielleicht hab ich Glück – aber “das macht man nicht” habe ich dort noch nie gehört. Eher: Mach mal! Und das ist schön.
    So schön, dass ich das, was ich mach, jetzt lieber in der Nähe von den Menschen mache, die mich mal machen lassen.
    Fragt sich nur ob mich das Kultusministerium machen lässt…

  3. Lieber Clemens, liebe Verena…

    selten haben mich Kommentare auf den 1000gutenachrichten so begeistert, so berührt und auch zum Nachdenken angeregt. Danke, dass ihr uns an euren Familien-Gedanken teilhaben lasst. Man merkt also schnell: Jeder trägt Familie in sich, der eine mehr, der eine weniger. Der eine verbunden mit Gefühlen der Enge, der andere verbunden mit Gefühlen der Freiheit oder Herzlichkeit. Früh prägen Familien tief in uns, ob wir einst sagen werden: Es ist schön, wieder zu Hause zu sein! Wie ist das bei den anderen? Wie ist euer Gefühl, wenn es um Heimat und Familie geht?

  4. …was ist Familie? Familie ist eine zufällige Anordnung verschiedenster Charaktere in einer Verbundenheit zueinander?

    Auch wenn es oftmals nicht leicht ist mit seiner Familie klar zu kommen kann ich sagen, dass ich mit meiner Familie echt Glück habe. Ich finde es schön eine große Familie zu haben. Meine Familie selber ist auch aufs ganze Bundesgebiet verstreut, wobei der Ursprungspunkt hier im Rheinland (Leverkusen) zu sehen ist. Ich bin froh, dass ich zu meiner Familie nur 40km und 15km fahren muss, weil die sind auch mal schnell gefahren, denn Verena, ich stimme dir zu, dass ich es auch nicht missen möchte mal kurzfristig und spontan was mit meine Familie zu unternehmen, sei es einfach mal mit den Eltern einen Kaffee zu trinken, oder mit den Brüdern zu grillen, die Neffen von mir aufwachsen zu sehen (die ich schon habe), oder einfach auch nur mit alleman einfach einen schönen Sonntag zu verbringen. Mir sind meine Eltern und Brüder wichtig.

    Meine Tanten, Onkels, Cousin und Cousinen wohnen sowohl im Norden 160km, 650km und 700km, oder Richtung Süden 560 km weit weg. Oftmals interessiert es mich schon, was sie so übers ganze Jahr so treiben und wie deren Alltag so ausschaut, doch wie es so ist, erfährt man das nur alle paar Jahre bei größeren Festen, oder zwischendurch bei Telefonaten zum Geburtstag. Das finde ich schade.

    Toll hingegen finde ich, wenn es größer Feste gibt, dass dann aber auch wirklich alle dann dahin kommen und sich am Familien Kollektiv beteiligen.
    Ich finde es an solchen Anlässen eigentlich gar nicht schwer mich mit meinen doch so unterschiedlichen Tanten und Onkeln, Cousins und Cousinen zu unterhalten, weil jeder in seiner Welt lebt und die Welt der anderen voll akzeptiert. Und darüber bin ich echt froh!

    Ich denke dieses Glück was ich mit meiner Familie habe ist nicht überall so, von daher freue ich mich, dass ich ein Teil dieser Gemeinschaft bin und sie auch positiv beeinflusse kann.

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