Musik, die keine Quote braucht: Klezmer!

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Lars findet die Nachricht:

In Bremen ging in diesen Tagen die Ausstellung Klezmer – Hejmisch & Hip mit dem Untertitel Musik als kulturelle Ausdruckform im Wandel der Zeit zu Ende. Diese Wanderausstellung gibt historische und aktuelle Informationen in Bild, Text und Ton und präsentiert anschaulich die vielfältige weltweite Diskussion zum Thema. Der Blick über den Zaun zum schillernden Feld der Weltmusik ist dabei ein wichtiger Aspekt – ebenso wie die Frage nach der besonderen Bedeutung dieser Musik im jüdischen Selbstverständnis und im deutsch-jüdischen Verhältnis. Leihgeber ist die Stadt Gelsenkirchen / Referat in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung.

Zu dieser Ausstellung wurde ein umfangreiches wie auch fantastisches Rahmenprogramm entwickelt, das von Tanz- u. Instrumental-Workshops, über wissenswerte Vorträge, einem sehr interessanten Kinofilm über die berühmten Epstein-Brüder bis hin zu grandiosen Konzerten reichte. Abschluss bildete die legendäre 10. Bremer Klezmer Nacht in der Kulturkirche St. Stephani. Hier verführte der unverwechselbare und große Interpret des jiddischen Liedes Karsten Troyke aus Berlin mit seiner einzigartigen Stimme, und unterstützt vom fantastischen Trio Scho und dem gefühlvollen Klarinettisten Jan Hemerschmidt, die begeisterten Zuhörer und Zuschauer in die Welt des Klezmers – mal tanzend fröhlich, denn trauernd melancholisch.

Die Bremer Gruppe Klezgoyim trug ebenfalls mit ihrer Instrumental-Musik – mal ernst nachdenklich, aber dann wieder fröhlich – zum Gelingen des Abends bei. Insbesondere das große Finale aller Musiker auf der Bühne sorgte für pure Spielfreude bei den Musikern, die überschwappte aufs Publikum, und ich wage zu behaupten, bis in manches Herz des Klezmer-Begeisterten, der mit einer Träne im Auge und mit einer Seele voll Glückseligkeit in einer lauen Sommernacht den Heimweg antrat.

Doch was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff Klezmer? Ursprünglich bezog sich der Begriff klezmer (Plural klezmorim) auf die Musiker. Die Klezmermusik ist eine traditionelle jüdische Fest- und Feiermusik, entstanden im Lebensumfeld der Juden Osteuropas. Ihre Wurzeln in der mittelalterlichen Tradition der aschkenasischen Juden, die Weiterentwicklungen durch die jüdischen Einwanderer in den USA und Israel im 20. Jh. und das weltweite Revival seit rund 20 Jahren lassen diese Musik in vielerlei Hinsicht zu einem spannenden Feld musikhistorischer Betrachtungen werden.

Mich persönlich fasziniert die Musik des Klezmers auf vielerlei Hinsicht. Zum einen ist es toll, dass sich eine solche Musikrichtung über Jahrhunderte halten konnte, doch nicht nur das, sondern auch, dass es in den letzten Jahrzehnten zu einem Revival dieser Musik kam. Ob im 16. oder im 21. Jahrhundert – Klezmer hat an Gefühl und Leidenschaft nichts eingebüßt.

Die Schnelllebigkeit und Wertelosigkeit der heutigen Zeit geht ja bekanntlich auch am Musikwesen nicht vorbei. Eine Kunst, an den Casting-Shows heutzutage vorbei zu kommen. Was zählt ist die Quote und das Geld. Klezmer dagegen transportiert Emotionen, ja sogar kleine Geschichten. Werte wie Trauer, Freude, Liebe oder Leid werden musikalisch hochgehalten. Die Steigerung vom Hören dieser Musik ist selber spielen. Als Klarinettist darf ich sagen, es ist ein Gefühl von Reinigung der Seele; seiner eigenen, aber auch die der Zuhörer.Das bedeutet für mich Klezmer.

Darum ist dies eine positive Nachricht der Kategorie „Ganz persönlich“.

Linktipp: Wikipedia

Linktipp: Martin Kratsch, Klarinettist der Gruppe Klezgoyim

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Ein Gedanke zu „Musik, die keine Quote braucht: Klezmer!

  1. Ich bin am Wochenende zum ersten Mal über Klezmer Musik gestoßen. In Berlin war parallel zum lauten, farbenfrohen und temperamentvollen Karneval der Kulturen auch die lange Nacht der offenen Kirchen. Da sind wir in Kreuzberg in einer wunderschönen Kirche (Heilig Kreuz Kirche) gelandet. Und da spielte eine kleine Gruppe Klezmer Musik. Das war sehr sehr schön und ich gebe Lars recht: Es hat Emotionen geweckt: Fröhliche und Melancholische. Das hat sehr sehr gut getan. Und besonders schön: Es ist handgemachte Musik, von Menschen, die diese noch leben anstatt sie nur elektronisch zu produzieren. Unterstützenswert!

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