Mehr als ein Friseur-Besuch: Wenn Dienstleistung wieder (Mehr)WERT hat!

8 Kommentare

Lars findet die Nachricht:

Vielleicht bin ich der Einzige, der solch ein Erlebnis hatte, über das es zu schmunzeln wert ist. Vielleicht gibt es da draußen aber auch noch andere, die sich kopfnickend zurücklehnen und genau wissen, was ich mit dem Folgenden zum Ausdruck bringen möchte. Bislang blieb es das Geheimnis meiner Erinnerung – noch habe ich mich nie getraut, darüber mit meinen Mitmenschen in den kommunikativen Austausch zu treten. Das folgende Erlebnis persönlich positiv und motiviert durch Kerstin´s Artikel über den Schaffner, der keiner ist…

Es war im Jahre 2005, als ich vor der Grundsatzentscheidung stand: Friseur oder Haarschneidemaschine? Ich hatte mich damals für Letzteres entschieden und meine damals noch in Sachen Haarpflege unsichere Frau dazu verdonnert: Hier… schneide mir die Haare (bitte)! J Ich weiß es noch wie heute. Es war im Urlaub in einem Ferienhaus in Dänemark. Das Risiko des Haarverschnitts war also optimal minimiert, denn ich war ja nicht zu Hause, nicht im Alltag, nicht diesem westeuropäischen Gestylt-Sein-Druck ausgesetzt. Wer jemals Urlaub in Dänemark gemacht hat, weiß, was ich meine (Stichwort Jogginghose).

Und so kam es, dass ich drei Jahre lang nicht einen einzigen meiner Füße in einen Friseursalon gesetzt habe. Die Zeit verging wie im Fluge und mit jedem Tag wuchs meine Unzufriedenheit gegenüber meiner sich verändernden Haarpracht oberhalb der Stirn. Die Gesamtmenge nahm ab, jeder einzelne Wirbel wurde zum kreisenden Problem. Meine Frau, schulterzuckend mit der dumpf-summend-tönenden Haarschneidemaschine neben mir stehend, wusste auch keinen Rat mehr. War es tatsächlich wieder an der Zeit, tief in seine Geldbörse zu greifen und einen Friseur aufzusuchen? Die Meinungen meiner Familie, speziell meiner jugendlich heranwachsenden Kinder, gingen zwar auseinander, aber alle in Richtung Coiffeur.

Wer ebenfalls zu den Keinen-Stammfriseur-Haber gehört und noch nie einen Haarpfleger seines Vertrauens gesucht hat, weiß, was gemeint ist, wenn der Volksmund zusagen pflegt: Friseure gibt es wie Ferienhäuser in Dänemark. Nach wochenlanger Recherche im Bremer Internet wagte ich es, einem mir unbekannten Friseur mein Vertrauen zu schenken und vereinbarte einen Termin an einem Freitag Nachmittag. Im Ernstfall läge ja ein Wochenende dazwischen, bevor man wieder unter die Leute tritt. Jedoch blieb die innere Unsicherheit, ob die Wahl wohl richtig war?!

Nach fast drei Jahren betrat ich also zum ersten Mal wieder einen Friseur-Salon. Der typische Geruch stieg mir in die Nase, die typischen Zeitschriften stachen mir ins Auge, die typischen Haare knirschten unter meinen Schuhen und die typischen alten Herrschaften saßen geduldig vorm Spiegel. Mein erster Gedanke: Das war ein Fehler!

Pünktlich um 15 Uhr kam dann auch die Frage, die kommen musste, vor der ich am meisten Angst hatte: „Wie soll´s denn geschnitten werden?“ Ich: „Keine Ahnung!!!!“ Höflich, nett, freundlich und ein wenig hilflos wirkendfügte ich hinzu: „Das wollte ich eigentlich Sie fragen!“ Da blickten wir uns nun beide, sie stehend – ich sitzend, im Spiegel an. Ich spürte, das die Situation noch peinlicher war, als ich mir vorgestellt hatte und Schweißtropfen rannen über meine glatte Haut Richtung Boden. Ich wollte nur noch weg!

Nach diesem Moment, der mir wie zwei Ewigkeiten vorkam, tasteten wir uns gemeinsam mit dem beliebten Frage-und-Antwort-Spiel vor. Mit dem Ergebnis, dass ich mir erst mal in aller Ruhe Männerfrisuren („heißer Look für 2004″) in abgegriffenen Mappen anschaute und sie einer älteren Dame die Haare wusch, dieselbigen über farbige Plastikrollen legte, ihr eine lustige Haube auf den Kopf setzte und neben ihr eine Eieruhr aufstellte. Dann kam sie wieder….

„Na, was gefunden…?“ Ich: „Wenn ich ehrlich sein soll: Nein!“ Und dann kam´s, und das macht die persönlich erlebte Story zu einer positiven Nachricht, zum einen für mich ganz persönlich und zum anderen für alle die, die solche oder ähnliche Barbier-Situationen bereits auch erlebt haben. Sie: „Ich habe mir da etwas überlegt….“ Ab diesem Zeitpunkt war alle Unsicherheit, Peinlichkeit und Schweißtropfen verflogen. Ich bekam eine erstklassige Beratung meiner Haarpracht, einen wunderbaren Haarschnitt und ein junges, aber nicht krampfhaft jugendliches, wildes aber seriöses, außergewöhnliches, aber nicht peinliches Styling. Meine Friseurin hatte sich also gedanklich-kreativ mit mir beschäftigt, während sie der älteren Dame die Haare gelegt hatte, um mich anschließend erstklassig zu betreuen. Großartig! Ich war sehr gut aufgehobe. Kopfmassage inklusive.

Schon jetzt freue ich mich auf den nächsten Frieseur-Besuch. Und meine Familie, selbst meine kritisch jugendlichen Kinder, waren vom neuen Look begeistert. Darüber hinaus ist meine Frau erleichtert: Nie mehr Haarschnitt mit der Haarschneidemaschine. Die Verantwortung ist sie los. Ein großer Gewinn für alle!

Ich spüre gerade zu eure Neugier auf mein Aussehen. Nur zu gerne würdet ihr an dieser Stelle eine Datei öffnen und ein Foto von mir ansehen. Doch ich muss euch enttäuschen. Ich werde auch zukünftig nur in eurer Phantasie weiterleben. Aber wenn Ihr mal in Bremen seit und einen neuen Look braucht, dann schaut doch beim Frisör meines Vertrauens einfach mal rein. Der Kaffee schmeckt übrigens dort auch.

Linktipp: http://www.friseur-bremen.de

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8 Gedanken zu „Mehr als ein Friseur-Besuch: Wenn Dienstleistung wieder (Mehr)WERT hat!

  1. Schöne Geschichte! Zumal sie mich gleich doppelt schmunzeln lässt: Gestern erzählte mir eine Kollegin noch, dass sie mit dem Haarschneidegerät bei ihrem Freund ausgerutscht ist und ich selbst überlege seit Tagen wann, ob und zu welchem Friseur ich gehen kann. Aber nun habe ich Mut einfach hinzugehen und zu sagen: „Sie machen das schon!“

    Danke Lars!

  2. lars, selbst in dänemark gehören diese maschinchen verboten!

    ich hab auch ein tolles coiffeur-erlebnis zu berichten. das muss ich jetzt loswerden.

    ich habe nämlich ein trauma. ich war noch klein und man setzte mich damals auf einen stapel handtücher, so dass mein kopf an diese hals-aussparung rankam, ohne stapel war ich dafür zu kurz.

    es waren ledersitze. frottee hat nicht viel grip auf leder.
    langsam rutschten die handtücher weg….
    ich hing immer tiefer in der aussparung…
    war zu schüchtern, mich darüber zu beschweren….
    beide ohren waren schon extrem nach oben geknickt, weil sie nicht durch die schmale öffnung gingen…
    ich weinte leise vor mich hin…
    bis die nette friseurin irgendwann entsetzt feststellte, dass ihre kleine kundin nur noch von ihren ohren im waschbecken gehalten wurde und dicke tränen über ihr rot angelaufenes gesichtchen kullerten. schweigend. schmerzerfüllt.
    die handtücher waren längst auf den boden gerutscht.

    das war schlimm. aber ich bekam ne limo und gummibärchen.
    wurde geherzt und bedauert.
    insofern: super service…

    es dauerte jedoch jahre, bis ich wieder meinen kopf in so eine aussparung legte…. 😉

  3. Liebe Verena, ich habe wirklich sehr großes Mitgefühl mit Deinen traumatischen Barbier-Erlebnissen von früher. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Du Dich gefühlt haben musst. Aber, ganz ehrlich, ich habe tränen gelacht, als ich Deine Geschichte gerade las. Einfach zu köstlich. Ich habe es förmlich vor Augen, wie ein armes kleines schüchternes Mädchen wimmernd da hängt ….. Sorry, doch es sieht zu komisch aus…. tut mir leid. Aber DANKE für diese schöne Geschichte

  4. Liebe Verena…. auch wir haben gerade Tränen gelacht. So eine tolle Geschichte. Wir hoffe, es hat deinen Ohren keinen nachaltigen Schaden hinterlassen. Nun, wo wir einmal dabei sind, auch von mir noch eine Friseur-Geschichte:

    Als ich vor zwei Jahren neu in Berlin war und mein Spiegelbild mir sagte: Geh mal zum Friseur, stand ich vor der Qual der Wahl: Wohin? Zufällig entdeckte ich nach einigen Tagen in einer Nachbarstraße einen frisch eröffneten Friseur-Salon. 10 Euro – Cut & Co. Alles in schönem grün gehalten. Super, da geh ich hin. Als ich das Schild las „Beat Friseur“ – hab ich mir noch nichts dabei gedacht.

    Ich geh also rein und setz mich hin. Nach einigen Minuten kommt ein stylischer junger Mann, geht hinter die Kassen-Theke, öffnet einen Koffer und baut sein Plattenteller-Zubehör auf. Ich finds lustig, denke mir „Beat-Friseur… ach sooooo!“. Dann legt der DJ, der kaum größer ist als die Theke, den Kopfhörer um und es ertönen – klar – harte Techno-Beats. Uff. Denke ich. Mein Instinkt sagt mir: Raus hier, die Musik nervt ja total. Aber meine Faulheit und die Erleicherung, endlich bei einem Friseur zu sitzen, siegen. Nach 10 Minuten komm ich ran. „Einal nachschneiden bitte. Aber nicht so viel ab. Nur ein bisschen“ sage ich und zeige dem Friseur mit meinen Fingern etwa einen Zentimeter. Haare Waschen. Los gehts. Er fängt an zu schneiden. Locker leicht. Der Beat der Musik erhöht sich, sein Schneidetempo auch. Uff. Ich ahne schlimmes. Sage noch „Aber wirklich nicht viel abschneiden“. Er nickt, wippt mit seinem Fuß im Takt und schneidet weiter. Die Musik wird etwas lauter, wieder schneller. Der Friseur hat den Takt in der Schere. Am Ende war die Musik nicht mehr zu ertragen und meine Haare…. waren soooooo kurz (aber voller Beat!)

    Die Moral von der Geschicht: Traue einem Beat-Friseur nicht!

  5. …hier mal eine richtig gute Nachricht Ihr lieben Schreiberlinge. Die schlichtweg allerbeste Frisörin der Welt ist in Kassel und nur 3 Minuten von meinem zuhause entfernt. „Nesrins Haarpflegestudio“ lautet der klingende Name ihres Etablismonts und es handelt sich um einen eher völlig schlichten kleinen Laden den sie mit jeweils einer Auszubildenden betreibt. Vorab muss ich Euch berichten, daß ich, als ich mit 42 Jahren überraschend trotz Sterilisation, zum vierten male die Freuden einer Schwangerschaft erleben durfte, Sorge trug, daß man mich im Kindergarten für die Omma des Kleinen halten könnte. Von Stund an wurde ich blond und zwar Strähnchenblond. Was sich jetzt bescheuert und möchtegern sexy anhört ist ein wahres Wunder an Färbekunst. Alle 4 Monate – ungelogen – gehe ich zu meiner Nesrin und bis dahin hat man nichts rausgewachsenes gesehen. Sie schimpft nicht – noch nicht mal in hochnäsigen Andeutungen – über meine verschnittenen Hinterkopfhaare, die ich mir in der Zwischenzeit immer selber nachschgeschnitten habe, sondern korrigiert alles ein bisschen und lobt mich noch. Für das Korrigieren nimmt sie selbstredend nichts. Sie färbt mit flinken Fingern und vielen kleinen Papierstücken, die ich ihr manchmal anreichen darf wenn die Auszubildende was anderes zu tun hat, meine Haare in 3 verschiedenen Tönen bis ich einem Weihnachtbaum obenrum ähnlich sehe. In der halben Stunde Einwirkzeit mache ich ein Nickerchen. Fönen mag ich nicht und gehe mit dem Handtuch um den Kopf nachhause. Auch das ist kein Problem und keiner lacht oder so. Ich darf dort sogar rauchen, aber in letzter Zeit bin ich zurückhaltender geworden weil die allgemeine Feindlichkeit auch an mir nicht spurlos vorübergagngen ist. Wie Ihr Euch vorstellen könnt ist es gar nicht teuer, also in echt ist es sogar so billig, daß meine Freundinnen die mich pausenlos wegen der Haare mit Komplimenten zuschmeißen, den Mund nicht mehr zukriegen wenn sie den Preis hören. Und jetzt kommts. Mein Mann bemerkt es nicht wenn ich beim Frisör war. Mein zehnjähriger Sohn wegen dem ich das ganze Theater veranstalte ist eigentlich der einzige der es bemerkt. Als ich vor einer Weile mit meinem Vater essen war wies er mich auf eine Dame am Nebentisch hin, welche sehr rote Haare hatte mit einem grauen Kranz oben auf dem Kopf und meinte dazu: „Färb Dir bloss nie die Haare!“ Ich hatte mein Leben lang braunes Haar und er müßte das eigentlich wissen. Nesrin, droht manchmal damit, daß sie nach Istanbul zurück geht und ich sage Euch, da werde ich dann auch hinziehen.

  6. Schöne Geschichte Nora. Da fängt der Tag gleich mit einem Lächeln im Gesicht an. Ich hab ein paar Kolleginnen, die aus Kassel kommen… ich werd ihnen mal Nesrin empfehlen 🙂

    Sonnigen Tag und ein Hoch auf deine Frisur!

  7. Die Leistung der Friseure kann nicht unterschätzt werden! Innerhalb von Minuten können sie aus einem Häuflein (Haar-)Elend eine zufriedene, selbstbewusste Person machen … naja, vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich kenne keine Frau, für die das Thema ‚Frisur‘ nicht von großer Bedeutung dafür wäre, ob sie sich wohl fühlt oder nicht.
    Meine Erfahrung: Kommt man mit festen Vorstellungen zum Friseur, werden sie (in der Regel) ohne großes Kommentieren genauso umgesetzt. Ist man ein wenig offener, oder unsicher, was gemacht werden soll, bekommt man meist eine sehr gute Beratung. Es lohnt sich, diesen Service in Anspruch zu nehmen. Schade nur, dass dem guten Service keine entsprechende Entlohnung entpricht … wo doch Service eigentlich insgesamt hier so teuer ist.

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