Liebeserklärung an eine Schule!

2 Kommentare

Lars findet die Nachricht:

Nach dem PISA-Wahn und den schlechten Schlagzeilen speziell für Bremen, wodurch sich viele Schüler im wahrsten Sinne des Wortes für dumm verkaufen ließen, fand ich heute in der Tagespresse des „Weser-Kuriers“ folgenden Artikel:

„Seit Jahren nehmen Bildungsexperten Bremens Schulen unter die Lupe. Dabei kritisieren sie nicht nur, sie finden auch „exzellente Einzelbeispiele“. So waren Gutachter vom Lindauer Institut für Schulentwicklung unter anderem an der Grundschule Andernacher Straße in Bremen-Tenever. „Außergewöhnlich gut durchdacht“, urteilen sie, sei dort die „Entwicklung zum Lern- u. Lebensort für Kinder“.

Als Nicht-Bremer muss man wissen, dass der Stadtteil Tenever für seine Ghetto-Bauten, seinen hohen Anteil an Kindern aus aller Welt und für seine sozialen Probleme bekannt ist. Wer in Bremen und besonders „Tenever“ hört, assoziiert damit sehr schnell Gewalt, Vandalismus und Jugendkriminalität.

In dem Artikel heißt es weiter:

[…] Tenever, Gewalt, Vandalismus – von solchen Assoziationen muss sich verabschieden, wer an die Andernacher Straße kommt: Es gibt keine Graffiti, keine eingeschlagenen Scheiben, kein Frühstückspapier auf dem Boden. „Schulengel“ sind erste Ansprechpartner, wenn es Streit gibt, Klassenrat und regelmäßige Kinderkonferenzen stärken das Gemeinschaftsleben.[…]

Man fragt sich, welcher Geist dort auf einer scheinbaren schönen Insel für Kinder in der Andernacher Straße regiert. Und wie kommt das zustande?

[…] Uwe Hehr ist Schulleiter. Nur zwei Begriffe braucht er, um zu erklären, was das Besondere an seiner Schule ist: „Wertschätzung und Respekt“. Es ist die menschliche Beziehung, die für den studierten Sonderschullehrer im Mittelpunkt stehen, nicht der Stoff. „Grundschüler lernen für die Beziehung“, sagt Hehr. Die freundliche Anerkennung durch den Lehrer – das ist es, wofür sie sich anstrengen.[…]

Wertschätzung und Respekt sind zwei große Begriffe, die sich gut anhören und oft ge- bzw. missbraucht werden, doch wie werden sie umgesetzt in einer Grundschule, in der 95% der Kinder Migrationshintergrund haben?

[…] Morgens um sieben öffnen sich die Schultore – der Lehrer kommt aber erst nach acht. „Die Kinder organisieren sich selbst“, sagt Schulleiter Hehr. Sie spielen in den Fluren, holen sich Frühstück im Speiseraum. Und wenn es doch mal Probleme gibt, ist ein Erwachsener nicht weit. Der Übergang aus diesem offenen Anfang zum Unterricht ist „schleichend“, sagt Hehr. Ab Viertel vor acht können die Kinder ins Klassenzimmer. Wenn der Lehrer kommt, sitzen die meisten schon vor ihren Rätselheften.[ …] Auf Noten wird verzichtet. Ein Ausdruck einer Grundhaltung an der Andernacher Straße: „Wir wollen nicht, dass ein Schüler die Grundschule verlässt mit dem Gefühl: Ich bin ein Versager.“[…] Großen Wert legt man auf die Gestaltung der Schule als Ort zum Wohlfühlen. Bunte Wandgemälde kennzeichnen die Gebäudeteile und spiegeln viele Heimat Kulturen wieder. […] Bei den Schülern kommt das an. „Lieber Herr Hehr“, steht in einem Brief an den Rektor. „Ich finde unsere Schule ist sehr schön… Du bist nett.“[…]

Liebeserklärung an eine Schule! Das ist doch mal eine positive Nachricht aus der Schulszene Bremens. Unter all den Vorurteilen und Verurteilungen in Bezug auf die Schulpolitik, den Schulstoff, die Lehrer, die Schüler etc. werden kleine Inseln geschaffen, auf denen die Bedürfnisse der Kinder an die erste Stelle gestellt werden; auf denen Wertschätzung und Respekt keine hohlen Begriffe sind, sondern tatsächlich praktiziert werden. Ein Vorbild für andere, ein Vorbild für Dich und mich…

Quelle: Weser Kurier vom 12.04.08

Linktipp: www.gts-tenever.de

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2 Gedanken zu „Liebeserklärung an eine Schule!

  1. hallo Lars,
    dass ist eine ~ja was ist die steigerung für gut? besser/beste ? (meine schulzeit ist schon lange her 🙂
    jedenfalls eine TOP-Nachricht *breites-smile* und jetzt muß ich diese seite hier noch bekannter machen, nämlich bei allen lehrern die ich kenne.
    liebe grüße aus rheinland-pfalz barbara

  2. Also ich finde diese Nachricht auch fantastisch. Besonders toll finde ich die Idee, die Kids morgens erst einmal eine Stunde „ankommen“ zu lassen – kindgerecht und völlig frei. Das schafft Vetrauen – auf beiden Seiten. Eine Fähigkeit, an der es an unseren Schulen wohl am meisten fehlt. Super – hätte ich Kinder, ich würde sie entweder nach Bremen schicken oder so eine Schule selbst gründen. Die Zeit ist reif für sowas!

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