Viel Sonne, aber wenig Licht in Bangladesch

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Kerstin R. findet die Nachricht:

Das bitterarme Bangladesch droht im Wasser zu versinken. Im Kampf gegen den Klimawandel will es deshalb zum Vorreiter der Solarenergie werden – und zugleich die Lebensbedingungen der Menschen verbessern.

Es klingt schon etwas absurd: Ausgerechnet das Land, in dem der Pro-Kopf-Stromverbrauch so niedrig ist wie nirgendwo sonst auf der Erde, will Energie sparen.

Mit Sonnenlicht. Eine Million Solarsysteme will Dipal Barua bis 2015 in Bangladesch installieren. „In unserem Land scheint die Sonne 340 Tage im Jahr, das müssen wir nutzen“, sagt der Träger des Alternativen Nobelpreises im FTD-Interview. Denn: „Wir sind die großen Verlierer des Klimawandels.“ Bereits Ende dieses Jahrhunderts wird ein Fünftel des südostasiatischen Landes Studien zufolge unter Wasser stehen.

Mehr als 30.000 Dörfer hat Barua bereits mit Solarenergie versorgt und damit auf umweltfreundliche Weise die Lebensbedingungen erheblich verbessert. Die Right Livelihood Foundation ehrte ihn dafür mit dem Alternativen Nobelpreis, da es keinen Nobelpreis für Ökologie und Entwicklung gibt. „Solarenergie bringt in vielerlei Hinsicht Vorteile“, sagt Barua. Nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für Wirtschaft und Gesundheit der Bevölkerung. Denn rund 70 Prozent der 145 Millionen Bangladescher haben keinen Strom. Nach Sonnenuntergang flackert in den Hütten allenfalls eine Petroleumlampe im Dunkeln. Gekocht wird mit Kerosin. Qualm steigt auf. Vor allem Frauen und Kinder leiden unter dem gesundheitsschädlichen Rauch. „Sonnenenergie verursacht keinen Qualm und birgt kein Brandrisiko“, sagt Barua.

Rund 120.000 Solarsysteme hat Barua mit seiner 1996 gegründeten Organisation Grameen Shakti bereits installiert. Er arbeitet mit Muhammad Yunus zusammen, der 2006 für die Vergabe von Mikrokrediten den Friedensnobelpreis erhielt und bei dem er Volkswirtschaftslehre studierte. Barua gründete die Grameen Bank mit, nach deren Vorbild die Solarsysteme mit Kleinkrediten finanziert werden.

Nicht nur gesundheitliche Aspekte bewegen den Ökonomen. Der hohe Ölpreis belastet gerade die Ärmsten. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Kerosinpreis um 60 Prozent gestiegen. „Die Besitzer von Solarsystemen sparen bis zu 7,50 $ im Monat für Kerosin“, sagt Barua. Von den Ersparnissen sind die Raten für die Solaranlage leicht abzubezahlen: Für 25.000 Taka (rund 260 Euro) gibt es 50 Watt, das reicht, um vier Lampen, einen Fernseher und ein Mobiltelefon zu betreiben. Über drei Jahre können die Käufer die Raten abstottern.

Anfangs waren die Dorfbewohner wenig überzeugt von Baruas Idee. „Niemand wusste, was Solarenergie ist“, erzählt er. Mittlerweile haben sich die Vorteile herumgesprochen. Der Apotheker Manik Roni berichtet stolz, dass sein Umsatz von 1000 Taka täglich auf 1600 Taka gestiegen ist. Denn während er früher seinen kleinen Laden in Matlab eine Stunde nach Sonnenuntergang schließen musste, ist sein Geschäft heute bis spät in die Abendstunden hell erleuchtet. Statt 500 Taka monatlich für Kerosin zahlt Roni heute nur eine Rate von 320 Taka für seine Solaranlage. Zudem überlässt der gewiefte Geschäftsmann seinem Nachbarn einen Teil seiner Solaranlage zur Nutzung gegen 180 Taka.

Doch Roni freut sich nicht nur über den finanziellen Erfolg: „Für die Menschen in Bangladesch ist der Klimawandel eine große Bedrohung“, sagt Barua.

Quelle: Financial Times Deutschland

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Ein Gedanke zu „Viel Sonne, aber wenig Licht in Bangladesch

  1. Die Mikrokredite der Grameen-Bank sind mit Vorsicht zu „genießen“ da oft leider auch enge Zusammenarbeit mit der GMO-Krake Monsanto so u.a. in Bangladesh, siehe:
    http://www.etcgroup.org/en/materials/publications.html?pub_id=406

    Eine sehr sehr empfehlenswerte ausführliche Arte Dokumentation über den über 100 Jahrealten ehemaligen Chemiekonzern -mit Gift und Genen:
    http://video.google.de/videoplay?docid=2966968585376204907&q=Monsanto&total=1448&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=0
    oder alternativ die kürzere Variante The Genetic Engineering Conspiracy:

    (Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihre Mitmenschen oder den Gesundheitsminister)

    Ein tolles Konzept/ Seite hier – K L A S S E gefällt mir sehr, solchen Journalismus braucht unsere Welt :-]

    Unterstützenswürdig:
    Gemeinsamer Offener Brief an die Große Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes, Regierungsvertreter,
    Aufsichtsräte der Agrarindustrie-Unternehmen
    Keine Patente auf Saatgut und Tiere aus konventioneller Züchtung – Gegen Enteignung von Bauern und Züchtern

    Seit einigen Jahren werden weltweit Patente auf gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere vergeben. Landwirte haben dadurch das Recht verloren, Saatgut aus der Ernte zurückzubehalten und Züchter das Recht, mit dem patentierten Saatgut weiter zu züchten, mancherorten patrolliert und kontrolliert bereits die Genpolizei … mehr:
    http://www.no-patents-on-seeds.org

    systematische Verseuchung unseres Essens endlich stoppen –
    Sortenvielfalt retten für gesunde Nahrungsmittel !

    Euch weiterhin viel Erfolg für dieses spannende Projekt ~*~

    Freundliche Grüße @ll

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