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Raus aus dem Arbeitsalltag und rein ins wahre Leben!

Kerstin findet die Nachricht:

Unternehmen fördern das soziale Engagement ihrer Mitarbeiter, um selbst davon zu profitieren

In der Berliner Zeitung habe ich folgenden Artikel gefunden:

Als Bernd Schulz im Oktober vergangenen Jahres zur Arbeit fuhr, dachte er: Ich muss mal was anderes machen, ich will mehr mit Kindern arbeiten. Am selben Tag fand der Personaleinsatzplaner eine Nachricht seines Arbeitgebers im PC, der mitteilte, alle Mitarbeiter könnten sich bis zu drei Monate freistellen lassen, um an einem humanitären Hilfseinsatz oder in einem sozialen Projekt mitzuarbeiten - bei voller Weiterzahlung des Gehalts. „Da hat es gekribbelt und ich dachte: Das ist genau das, was ich will”, sagt der 43-Jährige. „Zwei Tage später habe ich mich beworben.”

Am 1. Februar 2008 wechselte Bernd Schulz seinen Arbeitsplatz. Für drei Monate. Statt bei Vodafone im Callcenter Mitarbeiter einzuteilen oder Urlaubsanträge zu bearbeiten, ging er täglich ins Büro des „Berliner Herz”. Für das ambulante Kinderhospiz arbeitete er bereits seit knapp einem Jahr als ehrenamtlicher Familienbegleiter, zuvor engagierte er sich jahrelang bei der Björn-Schulz-Stiftung, die das Kinderhospiz Sonnenhof betreibt - alles in seiner Freizeit. Jetzt hatte er viel mehr Zeit, sich um schwer kranke Kinder und Jugendliche zu kümmern.

(…) Vodafone-Sprecherin Anka Vollmann erklärt, mit solchen Programmen wolle man das Engagement der Mitarbeiter anerkennen, sie enger ans Unternehmen binden und besser motivieren. Auch andere Firmen unterstützen Mitarbeiter, die sich für die Allgemeinheit engagieren. Bei der Berliner Bank gibt es zum Beispiel die „Initiative plus”. Dort kann sich jeder Mitarbeiter einmal im Jahr einen ganzen Tag lang in seiner Freizeit ehrenamtlich engagieren. Die Organisation, die er unterstützt, erhält von der Bank 500 Euro. Ähnliche Programme haben Bayer Schering und die Gasag. Die Skandia Versicherung schickt demnächst Manager für drei Tage ins ambulante Kinderhospiz Berliner Herz. Siemens entsendet Führungskräfte zu eintägigen Hilfseinsätzen; ehrenamtlich tätige Mitarbeiter werden mit Geld- und Sachmitteln unterstützt, im Einzelfall auch freigestellt. Die Post hat ein eigenes Team aus freiwilligen Mitarbeitern, die im Katastrophenfall mit Logistik helfen und dafür bei Weiterzahlung des Gehalts freigestellt werden. Wer sich beim Technischen Hilfswerk oder bei der freiwilligen Feuerwehr engagiert und bei der BVG arbeitet, wird ebenfalls zeitweise freigestellt und bekommt weiter sein Gehalt.

Und nun der wirklich positive Absatz:

Ob sich die Freistellung von Bernd Schulz für seinen Arbeitgeber rechnet, ist fraglich. „Für mich hat sich herauskristallisiert, dass ich langfristig beruflich einen anderen Weg gehen will”, sagt Schulz. Er wolle ein eigenes Hospiz gründen. Ob er dann weiter im Callcenter arbeiten wird, wisse er noch nicht.

Ich habe den Artikel gelesen und dachte. “Super”! Endlich merken Unternehmen, dass Ihre Arbeitnehmer den Druck der rationalen Arbeitswelt nicht mehr einfach so kompensieren können. Mit PC´s und Druckern läßt sich so schwer reden. Dass die Unternehmen durch die Förderung von Engagement eine engere Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen erzielen möchten, ist bedauerlich, aber legitim. Wundervoll hingegen ist, dass die Menschen einfach merken, dass das Arbeitsleben, so wie es heute leider ist, nicht mehr glücklich macht, dass es nicht mehr Werte wie Geld und Ruhm sind, die einen morgens zum Aufstehen mobilisieren. Es geht uns allen wieder mehr um das menschliche, um das Miteinander, das helfen und zuhören, anpacken und beistehen. Ich hoffe, das es bald einen kräftigen Ruck gibt…. und das Sozialsystem endlich finanziell besser gefördert und unterstützt wird. Und das die Arbeit in Hospizen und Kinderheimen so attraktiv ist wie ein Managerjob bei einem Global Player. Denn das ist unsere Zukunft!

Quelle: Berliner Zeitung

Linktipp für Engagement-Willige in Berlin und München: Gute-Tat.de

Linktipp für deutschlandweite Projekt-Sucher: dieGesellschafter


2 comments Mai 20, 2008

Gute Laune mit dem Schaffner, der keiner ist

Kerstin findet die Nachricht:

Wir haben bislang nur wenige ganz persönliche schöne Geschichten hier. Darum möchte ich mitteilen, was mir grade den Tag versüst hat…

In den vergangen drei Jahren ist mir in Berlin immer wieder ein psychisch doch sehr kranker Mensch aufgefallen, der die Ubahn-Linie “U2″ zu seinem “Arbeitsplatz” gemacht hat. “Einsteigen bitte. Zurückbleiben bitte” hat er immer gesagt. Das kam immer gut an. Die Menschen mussten schmunzeln. Nach meinem Umug weg von der U2-Strecke und hin zur M10 Strecke habe ich “ihn” nie wieder gesehen. Erst vor einer Woche, als ich mit der U2 am “Rosa-Luxemburg-Platz” anhielt , musste ich noch an ihn denken. Das war schließlich seine Strecke. Da ist er immer eingestiegen. Als ich einen Tisch vor zwei Jahren in der Bahn transportiert hatte, gab er mir sogar einmal ein Knöllchen, dass ich unterschreiben musste. Das habe ich nie vergessen, muss noch heute drüber schmunzeln.

Nun komme ich von der Arbeit und ich habe ihn wiedergesehen. In meiner M10 ist er nun - der Schaffner, der keiner ist. “Nächste Station - Landsberger Allee. Übergang zu den Metrolinien M4, M5 und M6. Es besteht direkter Übergang zum Volkspark Friedrichshain. Bitte Vorsicht beim Aussteigen. Die Autos haben Vorfahrt und nehmen keine Rücksicht”. Als ich das hörte, ging mein Herz auf. Er war in seinen Ansagen an jeder Station zwei bis drei Sekunden schneller als die anonyme Dame der elektronischen Ansage. Er freut sich wie ein kleines Kind, wenn die nächste Ansage kommt. Er hat einer jungen Frau beim Ticket ziehen geholfen, damit sie ihren Säugling festhalten kann und alles genau beobachtet. Als er an meiner Station - dem “Arnswalder Platz” sagte: “Nächste Station: Arnswalder Platz. Bitte Vorsicht: Dies ist ein kinderreicher Bezirk. Passen Sie auf die Kleinsten auf” musste ich lachen, während ich aufstand. Es ging mir richtig ans Herz, wie rührend er sich Gedanken macht. Er fragte mich: “Was gibt es denn da zu lachen, junge Dame?” Und ich sagte: “Sie sind der erste an diesem Tag, der mir richtige Freude bereitet”. Dann bin ich ausgestiegen.

Ich freue mich, dass er noch lebt, in keiner geschlossenen Anstalt ist und hoffentlich nun wieder öfters “mein” Schaffner in der Straßenbahn ist. Schön, wenn seelisch, psychisch oder geistig gestörte Menschen ihren Platz in ihrem Alltag finden und wieder etwas wert sind: Die Menschen in der Bahn haben heute alle ihre Bücher niedergelegt und über den Schaffner, der keiner ist, geschmunzelt.

Eine gute Nachricht. Ganz persönlich.


9 comments April 15, 2008

Umsatteln aufs Fahrrad, weg mit dem Winterspeck…der Streik hat auch Vorteile!

Kerstin formuliert eine positive Nachricht:

In Berlin streikt ver.di in Schulen, Behörden, bei der Polizei, dem Ordnungsamt, den Wasser- und Reinigungsbetrieben und allen voran der Berliner Vekehrsgesellschaft BVG. In der Hauptstadt fährt seit Montag keine U-Bahn mehr und keine Straßenbahn, kein Bus und keine Touri-Shuttles. Wer sich in Berlin Mitte und außerhalb des bekannten “Rings” bewegt, braucht keine S-Bahn, sondern nun seine Füße oder Beine.

Als ich heute vom Büro zu Fuß nach Hause gelaufen bin (4 km, etwa 35 Minuten) war ich überhaupt nicht sauer und auch nicht frustriert. Denn folgendes war zu erkennen: Legt man im normalen hochmobilisierten Alltag diese Strecke mit der Straßenbahn per 6 Stationen in 7 Minuten zurück, begegnen einem auf dieser Kurzstrecke mindestens 7 MP3-hörende Studenten, 5 Bier trinkende Feierabendler und noch 3 feiernde Döner-essende Touristen. Alltag. Im Gesicht eines jedes einzelnen abzulesen: Lasst mich bitte in Ruhe, ich will schnell nach Hause.

Heute war das Bild ein völlig anderes: Die Straßen waren voller Fahrräder. Hechelnde, untrainierte Anzug-Träger mit der Aktentasche auf dem Gepäckständer, übermüdete Zausel-Köpfe auf nem klapprigen Zweite-Hand-Rad, Gruppen von Kollegen zu Fuß auf dem Weg zum Parkplatz, schlendernde Menschen, die den Fußweg nach Hause nutzten, um beim Thai-Gemüsemarkt noch schnell was einzukaufen. Und nirgends auf meinem langen Fußweg habe ich einen miesepetrigen, schimpfenden, böse guckenden Menschen gesehen. Niemand hatte eine Bierflasche in der Hand. Keiner einen Döner und MP3-aus 7 paar Ohren war heute auch nicht dabei. Ich finde dies ganz persönlich eine wundervolle Nachricht, denn halte ich es mal völlig sachlich gesehen fest, beweist der Streik der BVG hier in Berlin

- die Menschen brauchen weniger Mobilität, als Ihnen angeboten wird

- die Menschen haben mehr Zeit, als sie glauben

- die Menschen brauchen keine Supermarkt-Discounter, sondern den kleinen Laden auf dem Nach-Hause-Weg

- die Menschen trinken beim Fahrrad fahren weniger Alkhohol :-)

- und sie  bewegen sich, lächeln und wirken… ZUFRIEDEN!

Der Streik soll noch zwei Dauern andauern. Mal sehen, ob sich die Solidarität der Berliner hält. Das wäre eine super positive Nachricht. Und die Sportbeauftragten unseres Landes dürfte es auch freuen… Ab Montag soll auch noch die S-Bahn streiken. Dann geht garnichts mehr. 6 Millionen Füße auf dem Weg von A nach B. Toll!

Was denkt ihr darüber? 

Quelle: Subjektive Wahrnehmung


2 comments März 7, 2008


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